20*C+M+B+19

…zum besseren Verstehen der Wurzeln des Glaubens

in der  Region, der Stadt sowie der katholischen Gemeinde in Hermsdorf

I.

ORTSBESTIMMUNG


II.

STRUKTUREN DURCH KAISERS WILLE


III.

ZÄSUR FÜR DIE CHRISTEN


 IV.

HERAUSFORDERUNGEN & CHANCEN

DURCH WIRTSCHAFTLICHEN AUFSCHWUNG


V.

ZUKUNFT: WIE WEITER?


VI.

TROST IN DER ANGEBLICHEN TROSTLOSIGKEIT

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I.

ORTSBESTIMMUNG


Das Thüringer Holzland hat seinen Ursprung im „Altenburger Holzland“ rings um den Ort Hermsdorf, auch heute noch ein zentraler Ort im Landkreis mit den Traditionen des Handwerks, vorhandener und aufstrebender Industrie und Handel sowie der Kultur in vielfältiger Weise, seit 1969 mit Stadtrecht. Gemeinsam mit Bad Klosterlausnitz gehört es zu den Mittelzentren in Thüringen im Rahmen vom „Landesentwicklungsprogramm Thüringen 2025“.


Neun weitere Ortschaften gehören im Holzland seit alters her zum Kern: neben Hermsdorf sind es Klosterlausnitz, Oberndorf, Reichenbach, Schleifreisen, St. Gangloff, Tautenhain und Weißenborn.


Mit der Gründung des Freistaates Thüringen 1920 lautet die Bezeichnung „Thüringer Holzland“. Kartografisch umfasst es das Gebiet von der Saale im Westen bei Kahla, der Weißen Elster nördlich von Gera im Osten, Eisenberg im Norden sowie die Grenze des Landkreises im Süden. In der Bezeichnung des Landkreises Saale-Holzland-Kreis wird auf die prägende Landschaft „Holzland“ Bezug genommen.



WEGE ÜBERS LAND


Ein Hauptverkehrsweg des Mittelalters von Nord nach Süd führte zwischen den Bischofstädten Naumburg und Regensburg direkt durch Hermsdorf. Hieran wird mit den Straßennamen „Naumburger Straße“ und „Alte Regensburger Straße“ in Hermsdorf erinnert.


Kernpunkt in der Entstehungsgeschichte von Hermsdorf spielt eine „Umspanne“ und Herberge für Fuhrleute -  später als „Schwarzer Bär“ genannt -  eine wichtige Rolle. Die Gespanne und sicherlich auch Wanderer auf diesem Weg konnten hier Rast machen. Jahrhunderte später diente der Saal des Gasthofes der Katholischen Gemeinde Hermsdorf von 1949 bis 1978 als Gottesdienststätte.


Ein weiterer historischer Verkehrsweg war eine West-Ost-Verbindung, ursprünglich vom Ärmelkanal bis nach Dresden. Eine Teilstrecke davon gehörte zum Verlauf der „Via Regia“ in Thüringen. Die Verbindung trägt heute auf deutschem Gebiet die Bezeichnung Bundesstraße 7, die durch das hiesige Gebiet führt. Beide Wege von Nord nach Süd, von West nach Ost sind sicherlich auch Pilgerwege gewesen, die nicht unerheblich zur Verbreitung des christlichen Glaubens mit beitrugen.


Hauptverkehrswege der Gegenwart sind die zwei Autobahnen mit denen viele Großstädte und Bundesländer verbunden sind: die  A9 von Berlin, an Potsdam, Leipzig/Halle und Nürnberg vorbei bis nach München; die  A4 verbindet Sachsen (von Görlitz aus) die Bundesländer Thüringen, Hessen sowie Nordrhein-Westfalen bis nach Aachen hin. Beide Autobahnen kreuzen sich im Zentrum des Thüringer Holzlandes am „Hermsdorfer Kreuz“.


Grafik: Schematischer Überblick zum Thüringer Holzland zwischen den Großstädten Jena und Gera.



RAST & RUHE FINDEN


„Raststätten für die Seele“ in Form von Autobahnkirchen oder -kapellen für eine Fahrtunterbrechung, wie sie ab 1958 im westlichen Deutschland in Verbindung mit offiziellen Raststätten entstanden sind, gibt es bisher nicht in dieser Region.


In Anlehnung an diese Bezeichnung finden Sie mit dem Link zum Katholischen Gemeindezentrum Hermsdorf den „RAST-PLATZ ST. JOSEF“. Dieser Rastplatz ist gesichert zu den Gottesdienstzeiten geöffnet.


Hier

können Sie den aktuellen Wochenplan vom Gemeindezentrum „St. Josef“ einsehen.


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II.


STRUKTUREN DURCH KAISERS WILLE


Kaiser Otto I. der Große gelobte nach seinem Sieg über die Magyaren bei der Schlacht auf dem Lechfelde (955) die Gründung von drei Bistümern an der Ostgrenze seines Reiches. Papst Johannes XIII. kam 968 dieser Bitte nach und legte als künftige Bischofssitze Magdeburg (Sitz des Erzbischofs), Meißen, Merseburg und Zeitz fest.


Damit festigte der Kaiser nicht nur  seine Vormachtstellung in den Grenzregionen im Osten des Reiches, vielmehr erhielten die Christen mit diesen Bistümern kirchliche Strukturen für die notwendigen Seelsorgebereiche.


Durch die Wiederbesiedelung der Gebiete östlich der Saale, und damit auch im Holzland, vornehmlich mit Franken, verbunden mit der Zurückdrängung der seit dem sechsten Jahrhundert hier ansässigen Slawen kam auch christliches Gedankengut wieder in die Region.


Das ursprüngliche Bistum Zeitz dehnte sich damals entlang der rechtsseitigen Gebiete an der Saale und bis hin zur Weißen Elster und Mulde im Osten aus.


Das neu gegründete Bistum Meißen war dagegen Missionsland in einem sehr dünn besiedelten Gebiet. Hier ist der heilige Benno zu nennen, auf den wesentliche Wurzeln zur Christianisierung im Gebiet zwischen Mulde und Lausitz hinweisen.


Das Bistum Merseburg umfasste die schon ottonisch geprägten Gebiete der Region um Leipzig, Halle, dem Unstruttal und südlichen Anteils des jetzigen Landes Sachsen-Anhalt und grenzte im Norden an das ebenfalls neu entstandene Bistum Magdeburg.


Westlich von den Bistümer Zeitz und Merseburg -  im Kernland der „Thüringer“ -   wurde durch den später heiliggesprochenen Bonifatius als „Apostel der Deutschen“ erstmals 742 ein Bistum in Erfurt gegründet. Dieses wurde aber bereits 755 wieder aufgelöst und dem Bistum Mainz zugeschlagen. Es war eine Verbindung, die über die folgenden Jahrhunderte hin wirksam blieb.



DAS BISTUM ZEITZ-NAUMBURG


Auf Grund permantener Einfälle von Slawen in das Bistum Zeitz wurde der Bischofssitz 1029 von Zeitz nach Naumburg verlegt. Das Bistum umfasste Gebiete östlich der Saale (ohne die Region Orla-Tal im Raum Neustadt und Pösneck im Süden), der Grenzverlauf ging unter anderem von Weißenfels aus zur Elster und Pleiße hin zur Zwickauer Mulde. Die südlichen Bereiche gingen bis zum Fichtelberg, über das Vogtland bis hin zur Saale bei Saaldorf, jetzt oberes Ende der Bleilochtalsperre.


Zuständig für die Seelsorge und für die kirchliche Verwaltung war seit dieser Zeit also der Bischof von Naumburg auch für die hiesige Region des Holzlandes. Mit dem Tod 1664 von Julius vom Pflug, letzter katholischer Bischof von Naumburg-Zeitz, erlosch die bisherige römisch geprägte Form des Christentums und ihrer kirchlichen Struktur in diesem Bistum.


Im Gegensatz zu anderen Bistümern, wie z.B. das Bistum Meißen (1921), erfuhr das aufgelöste Bistum Zeitz-Naumburg sowie auch das Bistum Merseburg keine Neu-Gründung in der nachreformatorischen Zeit. Die ehemaligen Bistumsbereiche wurden in die Bistümer Meißen, Würzburg, Fulda sowie in die im Zuge der Deutschen Einheit neu errichteten, bzw. neu erstandenen Bistümer Magdeburg und Erfurt eingegliedert.


Im Wappen vom Bistum Dresden-Meißen der Gegenwart sind mit Schlüssel und Schwert unter anderem Elemente des ehemaligen Bistums Naumburg-Zeitz dargestellt. Das Kreuz erinnert an das Bistum Merseburg.

Die katholischen Gemeinden im „Thüringer Holzland“ sowie die im gesamten Bereich Ost-Thüringen gehören zum Bistum Meißen, seit November 1979 Dresden-Meißen.



EINE BLÜTEZEIT


In der Folgezeit nach der Gründung entwickelte sich ein reges religiöses Leben im Bistum Naumburg. Eine besondere Rolle kamen da den zahlreichen Gründungen von Abteien und Klöstern zu.


Die monastische Lebensweise zog viele an, Männer wie Frauen. Einen nicht unwesentlichen Teil trugen die Klöster zur positiven Entwicklung der kulturellen und landwirtschaftlichen Prägung von ganzen Landschaften bei.

Stellvertretend sei das Kloster Thalbürgel in unmittelbarer Nähe genannt. Benediktiner brachten Wissen und Fertigkeiten zu den Menschen.


Klöster wurden gegründet und später wieder aufgegeben, geblieben ist die Glaubensverkündigung und das Fachwissen sowie Kirchen und Klosteranlagen, meistens nur als Ruinen. Die ehemaligen Klosterkirchen sind Zeugen für das Wirken der Mönche und Nonnen unterschiedlich geprägter Orden. Die Karte zeigt eine Auswahl an Klöstern zwischen dem 11. Und 16. Jahrhundert in der näheren und weiteren Umgebung des Holzlandes.



ZEUGNIS DES FLEISSES


Dank des Wiederaufbaus im 19. Jahrhundert nach historischen Vorlagen ist mit der ehemaligen Klosterkirche in Bad Klosterlausnitz eine Perle der Neo-Romanik zu bewundern. Es ist ein geglückter Nachbau des Originals und eine Erinnerung an das ehemalige Augustinerinnen-Kloster Maria am Stein, auch Kloster Marienstein, das leider in den Wirren der Reformation durch Vertreiben der letzten Nonnen unterging. Zwei tief gläubige und von der Bevölkerung akzeptierten Nonnen hielten noch aus, die aber der Überlieferung nach bei einem Gewitter vom Blitz getroffen wurden.


Die Kirche wurde von 1946 bis 2000 auch für katholische Gottesdienste genutzt und steht für überregionale zentrale Gottesdienste der Region den katholischen Christen weiterhin zur Verfügung. Unvergessen die Feier der Christmetten mit Chorgesang und Posaunenklängen in dieser altehrwürdigen Klosterkirche.


Foto: Festgottesdienst zur Spendung des Sakramentes der Firmung durch Bischof em. Joachim Reinelt 2013.



Ein besonderes Beispiel hochentwickelter künstlerischer Leistungsfähigkeit des Hochmittelalters ist der Bau des Naumburger Domes als damalige Bischofskirche, der 2018 einen Platz im UNESCO-Weltkulturerbe erhielt.


Kaum zu beschreiben die Vollendung des Ausdruckes der Steinmetzkunst, wie zum Beispiel die Stifterfiguren mit der Uta von Naumburg.


Beeindruckend auch das Kruzifix am Durchgang zum Westchor.


Der Besucher muss unter dem Kreuz hindurchgehen, wenn er die Schönheit und Ebenmäßigkeit in Form und Aussage des Westchores betrachten will.



VISIONEN


Mit dem Sprachgebrauch der Gegenwart hatten damals einige Herrscher in der Blütezeit des Mittelalters vorauschauende Visionen für die rasante Entwicklung des Dranges vieler Gelehrter. So entstanden neben prachtvollen Bauwerken auch Universitäten als Hochburgen der Bildung, wie unter anderem die Universität in Jena (1558).


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III.


ZÄSUR FÜR DIE CHRISTEN


Viele Kirchen in Dörfern und Ortschaften prägten das öffentliche Bild und auch die Wahrnehmung der Menschen als Orientierung für ihre Religiosität und Lebenshilfe. Alle Menschen bildeten eine Einheit im Glauben.


Doch dann: durch den moralischen Niedergang, gepaart mit Selbstherrlichkeit, großer Teile von Amtsinhabern und Verantwortungsträger in der Kirche wurde diese Einheit gefährdet und mehr als fragwürdig. So war es nur eine Frage der Zeit, nicht ob, sondern wann eine innerkirchliche Revolte das bestehende Christentum römischer Prägung in Bedrängnis bringen würde.


So geschah es in einleitenden Prozessen der Reformationsbestrebungen im 15./16. Jahrhundert, was letztendlich später keine Erneuerung, vielmehr eine Spaltung der Christenheit wurde. In Folge der  Reformbestrebungen und der Aufkündigung der kirchlichen Einheit durch die Landesherren als Folge der gesellschaftlichen Umwälzungen waren die reformatorischen Christen von der Einheit im Glaubens-, Sakramenten- und Amtsverständnis der apostolischen Kirchen künftig weltweit abgeschnitten.



SCHMERZLICHE TRENNUNG


Mit dem langwierigen und gegenreformativen Konzil von Trient (1545-1563) wurde mit der Formulierung „Römisch-Katholische Kirche“ auf den apostolischen und lateinischen Charakter der Kirche Bezug genommen, als Hüterin der wahren christlichen Lehre im Römischen Reich deutscher Nation. So wird diese Bezeichnung für die Bistümer und Kirchenprovinzen, die sich nicht den  reformatorischen Bestrebungen in Deutschland und Europa angeschlossen hatten, betont: sie sind Teil der Römisch-Katholischen Kirche, deren Gläubige mitunter kurz in der Umgangssprache als  „Katholiken“ bezeichnet werden.  Die Bezeichnung „Protestanten“ wurde mit dem Reichstag von Speyer 1529  für die Anhänger der Reformation geprägt. Die begriffliche Abgrenzung war somit eingetreten und polarisierte fortan im öffentlichen Leben über viele Jahrhunderte.


Landesfürsten bereicherten sich im Laufe der Reformation an den materiellen Gütern der Kirchen und der Klöster. Die schon in der Antike praktizierte unselige Festlegung, nach der der Landesherr die jeweilige Religion für seine Untertanen vorgab, spaltete die Bevölkerung im Glauben. Eine Glaubensfreiheit im Sinne der späteren Entwicklung war dieser Zeit fremd. Zudem gab es in den protestantischen Landen keine einheitliche Struktur in Form eines Bistums mehr. Kirchliche Verwaltungsbereiche unterstanden den der Herrschaftbereiche von Landesherren.


Ideologische Schlammschlachten in der Folgezeit beiderseits vertieften die Gräben weiterhin, Religionskriege schädigten Land und Leute. Unwissenheit vom Glauben und Vorurteile gegenüber dem Andersdenkenden erschwerten das Miteinander bis in die Familien hinein -  und das bis in die heutige Zeit. Beharrung auf Standpunkten gerade der Amtsträger ließen keine Nähe zum Anderen zu. Neue Formen von nachreformatorischen Glaubensbildern und daraus entstehende neue Strukturen von Religionsgemeinschaften sowie derer Zusammenschlüsse machten den Zusammenhalt von Christgläubigen schwierig oder gar unmöglich.



HERAUSFORDERUNGEN

DER NACHKRIEGSZEIT


Durch die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges und dessen Ergebnisses veränderte sich plötzlich die Homogenität der Gesellschaft in den protestantischen Landesteilen Deutschlands nach 1945, vor allem im ländlichen Raum: aus ihrer angestammten Heimat kamen Millionen Vertriebene aus Schlesien, Sudentenland, Ostpreußen usw. In das nach Besatzungszonen aufgeteilte Deutschland, davon tausende Christen in den Bereich des Thüringer Holzlandes. Sie brachten ihren christlichen Glauben mit, der in der Einheit der weltweiten Katholischen Kirche beheimatet ist -  sie waren Katholiken. Plötzlich griffen so manche Vorurteile der Vergangenheit, wieder auf beiden Seiten.


Es ist dem guten und gegenseitigen menschlich geprägten Miteinander mit den evangelischen Christen zu verdanken, dass die katholischen Christen hier eine geistliche Heimat erhielten. Zahlreiche Kirchen wurden für Gottesdienste zur Verfügung gestellt, entweder als sogenannte Außenstationen der neu entstandenen Strukturen oder sie wurden ganz überlassen. So bildeten sich hier die katholischen Gemeinden in ihrer jetzigen Form heraus: Hermsdorf, Stadtroda und Kahla; in Eisenberg gab es vorher schon eine kleine Gemeinde, in der sogar ab 1937 ein Kaplan tätig war, allerdings ohne eigene Kirche.


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IV.


HERAUSFORDERUNGEN & CHANCEN

DURCH WIRTSCHAFTLICHEN AUFSCHWUNG


Nicht nur im westlichen Teil Deutschlands gab es wirtschaftliche Erfolge, auch im Osten wurde durch staatlich gelenkte Investitionen auf Schwerpunktgebieten ein wirtschaftlicher Aufschwung initiiert. Neben einigen anderen Orten im jetzigen Thüringen erfuhr Hermsdorf mit seinen Keramischen Werken eine sprunghafte Entwicklung: durch den Ausbau der vorhandenen Ausrichtung auf technische Keramik wurden mit der Ferritproduktion, die Sintermetalltechnologie und in den sechziger Jahren die Halbleiterfertigung und vor allem der Mikroelektronik neue Branchen angesiedelt und durch Forschungsprojekte technologisch wie auch erzeugnisspezifisch gefestigt.


Unter den in Hermsdorf gestrandeten Vertriebenen waren nicht wenige Fachleute, die ihr berufliches Wissen in den Folgejahren zum Nutzen des Ausbaus der Porzellanfabrik Hescho zu den Keramischen Werke Hermsdorf  als Technologiestandort einbringen konnten.


Einhergehend mit dem Ausbau zum Grossbetrieb entstanden Wohngebiete nördlich der Bahnlinie u.a. die „Waldsiedlung“ und „Am Stadion“. Der Ort explodierte förmlich durch den Zuzug von neuen Werksangehörigen und ihren Familien, besonders Jüngere und im ingenieur-technischen Bereich. Hatte Hermsdorf 1960 5.600 Einwohner, so stieg der Zuzug bis 1981 auf über 11.000 Einwohner. Das stellte die staatliche Infrastruktur vor große Herausforderungen: zum Beispiel begannen Kinder im Jahr 1974 in insgesamt 10 Klassen ihre Schulzeit. Die exponierte Stellung von Hermsdorf führte zur Verleihung des Stadtrechtes am 07.10.1969.


Es waren massive Herausforderungen für den Ort -  besondere Herausforderungen und Chancen auch für die Kirchgemeinden, denn es galt, die Zuzügler zu sammeln und ihnen einen Halt für ihren Glauben zu geben. War die Glaubenszugehörigkeit von der Zahl her nach 1945 fast gleich geblieben, so stieg sie durch den Zuzug aus vielen Gegenden im Osten Deutschlands wieder an. Die Vergrösserung der Gemeinde sowie andere Hintergründe führte am 01.04.1972 zur Erhebung der bisherigen Vikarie zur eigenständigen Pfarrei „St. Josef“ Hermsdorf.


Es bildete sich eine Gemeindeseelsorge heraus, die vornehmlich auf die jungen Familien und deren Kinder ausgerichtet war: Frohe-Herrgott-Stunden für die Kleinen, Familien- und Hauskreise fanden sich zusammen, eine Kinderschola mit Orff´schen Instrumenten gestaltete Gottesdienste, ein gemischter Chor mit sechzehn Stimmen entwickelte sich aus einer Männerschola heraus und führte 1978 zum Zusammengehen mit dem Kirchenchor der Ev.-Luth. Kirchgemeinde „St. Salvator“ als „Ökumenischer Chor Hermsdorf“, einer der ersten Chöre im Bistum im Sinne der Ökumene. Künftig wurden und werden Gottesdienste zu Fest- und Feiertagen gestaltet sowie Werke großer Meister wie auch zeitgenössischer Komponisten einer permanenten Zuhörerschaft vermittelt, als eine Art christlicher Verkündigung.



HOFFNUNG


Vielfältig sind Kontakte in den Orten zwischen den Christgläubigen in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen, wird Ökumene praktiziert.


Das vorurteilsfreie miteinander Reden ist eine gute Basis für das christgläubige gemeinsame Tun: das gottesdienstliche Beten.


Es ist ein Grund zur Hoffnung, dass das einst vorreformatorische gemeinsame Christsein der Menschen auch in unserer Region wieder Wirklichkeit werden kann und unser aller Anliegen ist: Einheit in der Vielfalt,  Einheit im Glaubens-, Sakramenten- und Amtsverständnis.


In der Rubrik „Gemeinsam im Zeichen von Kreuz & Bibel“ auf der Seite „Nachbarschaft ökumenisch“, zu erreichen über den „INFO-Stand regional“ erhalten Sie unter „Ökumene im Holzland“ (noch im Aufbau) Informationen zum Miteinander der christlichen Gemeinden. Eine gute Basis in der Ökumene ist wie schon erwähnt der Ökumenische Chor Hermsdorf, der seinen Teil dazu beiträgt, das gemeinsame Tun zu stärken, ebenso die ökumenischen Sternsinger-Aktionen seit 1998! Viele Beispiele könnten noch erwähnt werden.


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V.


ZUKUNFT:

WIE WEITER?


In den vergangenen Jahrzehnten seit dem Wirtschaftwunder in den 1950-er und 1960-er Jahren im Westen Deutschlands und der diktatorischen Gängelung vor allem der Christen in der DDR ging die Zahl der getauften Christen sowie die Teilnahme an den sonntäglichen Gottesdiensten kontinuierlich zurück. Wohlstand auf der einen Seite, Maßregelung auf der anderen Seite.


Beides verursachte Abkehr, die Religiosität schwand in der Bevölkerung, Desinteresse machte sich breit, Priesternachwuchs verringert sich permanent seit 1990, bleibt ganz aus. Innerkirchliche Skandale - meist hochgepuscht durch die Medien - tun ihr übriges zur negativen Beeinflussung der Gläubigen wie auch der Gesellschaft im Allgemeinen


Mit der Einheit Deutschlands fiel die Repression gegenüber der Kirche(n) und der Gläubigen im Osten weg, dafür wurde vieles den Zwängen der Finanzierbarkeit unterworfen. Es bildete sich eine neue Abhängigkeit heraus - die vom Geld, ganz gleich in welchem Stand, grundsätzlich in der Gesellschaft des Heute.


Angeblich nicht mehr effektiv genutzte kirchliche Bausubstanz in der Fläche wird in Frage gestellt, anderen Nutzungen oder Eigentümern zugeführt, Gemeinden müssen ihre Gottesdienst- und Kommunikationszentren aufgeben, zumindest sich einschränken. Alles unter der Vorgabe zurück gegangener Finanzmittel.


Strukturen werden als Folge dieser Entwicklung verändert, bisher eigenständige Gemeinden werden und wurden zu Groß-Pfarreien zusammengelegt, so auch die katholischen (Pfarr)Gemeinden im Bereich Gera / Saale-Holzland als Pfarrei „St. Elisabeth“ mit Zentrum in Gera. Es ist damit eine Situation eingetreten, die fast vollständig dem Stand von 1937 entspricht, nur die Zahl katholischer Christen ist um ein vielfaches höher. Das stellt die Priester vor sehr große Schwierigkeiten: drei Seelsorger und ein Ruheständler im Priesteramt versehen auf einer Ausdehnung von ca. 70 x 30 km ihren priesterlichen Dienst.


Findet so eine Stärkung der Christen und ihrer Gemeinden vor Ort Eingang in die dringend notwendige Strategie zur Weitergabe der christlichen Botschaft an künftige Generationen statt?



VERPFLICHTENDE ERBSCHAFT


Johann Wolfgang von Goethe lässt in seinem Werk „Faust“ den Hauptakteur Dr.Faustus in den Nachtszenen über so vieles in seinem Leben sinnieren. Dabei kommt er unter anderem zu dieser Erkenntnis:


"Was du ererbt von deinen Vätern hast,

Erwirb es, um es zu besitzen.

Was man nicht nützt, ist eine schwere Last,

Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen"


Wie gehen in Abwandlung dieses Zitates die heutigen Generationen mit dem Erbe von ihren Eltern und all ihren Altvorderen in Glaubensdingen um, seien es in der Seelsorge Tätige oder die Gemeindeglieder?


War es mitunter nicht eine Last für die Kinder, wenn sie (gleich welchen Alters) von den Eltern oder Großeltern an ihre "Sonntagspflichten" erinnert wurden, ja doch zum Gottesdienst zu gehen (wobei sie selbst nicht daran teilnahmen)?


Haben sich dann nicht  Wenige dieser angeblichen Last entledigt, wenn sie auf eigenen Füßen mit eigener Haushaltführung stehen konnten? Glaube, Beten, Gottesdienste -  nur etwas für Ältere oder Gestrige?


Liegt hier eine der Ursachen der niedergehenden Orientierung auf den christlichen Glauben in der Gesellschaft? Glaube als Last? Doch nur, wenn er nicht gelebt und weiter gegeben -  und genützt  wird:


…wenn statt zu sammeln, das Wenige an Substanz der Glaubenden durch mangelnde Kommunikation in den Gemeinden zerstreut wird;


…wenn der Umgangston nicht den Vorgaben der Nächstenliebe untereinander nahekommt;


…wenn Möglichkeiten des Gedankenaustausches nach den Gottesdiensten durch Zeitdruck  nicht zustande kommen;


…wenn Augenblicke der Gottesdienstteilnahme, aus was für Gründen auch immer, verstreichen, ohne sie zu nützen;


…wenn die gottesdienstlichen Ankündigungen -  ob schriftlich oder mündlich -  nur auf das Datum und die Uhrzeit beschränkt werden und so ein wichtiger Bezug zur tages- und Fest-bezogenen zur katholischen Liturgie verloren geht;


…wenn Anlässe und Hintergründe eines Festes nicht mehr genannt werden…


…und, und, und…


Wird durch diese selbstgemachte Verflachung von Glaubensinhalten nicht die Frucht des ehernamtlichen Engagements vieler Generationen vor der Gegenwart, die die Kirche getragen haben, zunichte gemacht oder zumindest verhindert?


Oder werden die zahlreichen Opfer, wie in jüngerer Zeit, geradezu verhöhnt, da viele Menschen um ihres Glaubens willen in vielen Verfolgungen ihr Leben lassen mussten oder durch Rufmord in den Medien persönlich geschädigt wurden und werden?


Ist hier nicht wieder dringend eine wirkliche Reformation, radikales Umdenken nötig - besser noch: bittendes gemeinsames Gebet um Weisheit für überzeugende Weichenstellungen für die Zukunft der katholischen Gemeinden hier vor Ort, in Hermsdorf und anderswo?


Es geht um den Fortbestand und die Integrität der Gemeinde(n).


Eine mittlerweile entstandene und weiter zunehmende Identitätskrise innerhalb der Kirchgemeinden gefährdet vor allem die Weitergabe des christlichen Glaubens durch Ausbleiben des aktiven Mit-Tuns -  in der Teilnahme an Gottesdiensten sowie im persönlichen Engagement. Dieser schleichende Prozess ist wohl auch Ausdruck einer tiefer gehenden Vertauenskrise, basierend auf der eingetretenen Resignation.


Kann so das ganz persönliche Christsein des Einzelnen für die Gemeinde und auch für die Gesellschaft nützlich und wirksam werden?


Warum nur diese gegenwärtige Situation, warum nur? Gott allein weiß es, alles andere wäre nur einseitige Schuldzuweisung…




KLEIN & FEIN MIT ZUVERSICHT


Trotz aller Strukturveränderungen, trotz der lähmenden Glaubensmüdigkeit, trotz vieler Unklarheiten: geblieben sind die Kirchen als Gebäude und mit Menschen darin, wenn auch in kleinerer Zahl. Kirchen prägen nach wie vor das Bild von Dörfern und Städten, Kirchen mit ihren Türmen -  gleichfalls als Fingerzeig nach oben.


„Mut haben zur kleinen Schar“, so Dr. Otto Spülbeck, Bischof von 1956-1970 des Bistums Meißen, bereits schon in den sechziger Jahren in der Zeit des gerade überstandenen Stalinismus und unter dem Druck der versteinerten Ulbricht-Ära in der DDR.


…Mut haben, den Glauben heute zu leben in einer Zeit finanzieller Gängelei auf allen Ebenen;


…Mitmenschen Hoffnung durch Beispiel vermitteln;


…zum Kern des christlichen Glaubens vordringen wollen, jeder für sich, besser in der Gemeinschaft der Gemeinde.


Dazu bedarf es eines gemeinsamen Heimes, einer Stätte der Begegnung, einer Stätte unbehinderten Glaubens, wie eben auch das Gemeindezentrum „St. Josef“.


Ein Zeichen der Zuversicht in unserer Zeit ist wohl auch das Engagement vielerorts von Dorfgemeinschaften in Form von Fördervereinen zum Erhalt „ihrer“ Kirchen, damit die Kirche eben im Dorf bleibt und nicht weiter dem Verfall preisgegeben wird, substanziell wie auch ideologisch. Beispiele gibt es da zur Genüge.


Festigung der Bausubstanz ist das eine, christlichen Glauben wieder auf- und anzunehmen sowie zu festigen, viel wichtiger. Gemeinden wieder aufbauen, die in sich auseinandertriften.


Alle Glieder der Kirche in jeder Gemeinde sollten da klare Prioritäten setzen, zum


„SAMMELN, STÄRKEN, WEITERGEBEN“.


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VI.


TROST IN DER ANGEBLICHEN TROSTLOSIGKEIT


Es gibt zum Glück Menschen, die in ihrer Tradition den christlichen Glauben von ihren Eltern oder durch Bekehrung, durch Neu-Orientierung, durch priesterliches Wirken und dessen Vorbildwirkung aufgenommen und weitergegeben haben, vielleicht durch ihr lebendiges und überzeugendes Vorbild, als aha-Erlebnis in einem bestimmten Moment.

 

Oder durch bewusste Annahme der Glaubens-Erbschaft -  siehe oben…


Dabei tief gläubig und vertrauend, wie es damals vor über 1000 Jahren auch hier in der Region begann und seither über die Jahrhunderte  hinweg geschah -  getragen von der in jedem Menschen innewohnenden Sehnsucht nach Religiosität und deren Ausübung in einer Gemeinschaft.


So auch die katholischen Christen nach 1945 und den Jahrzehnten danach  im Bereich des Holzlandes mit den zwei großen Orten Hermsdorf und Bad Klosterlausnitz und den Ortschaften zwischen Rüdersdorf und Albersdorf sowie Tautendorf und Tautenhain.


Begonnen als Gäste in den evangelischen Kirchen, dann ab 1949 als Pächter in einem ausgedienten Kinosaal im „Bären“ und jetzt im Gemeindezentrum „St.-Josef“ seit 1978 in der Hermsdorfer Uhlandstraße, gut zentral gelegen im Gemeindebezirk der ehemaligen Pfarrei, zentral gelegen auch im Thüringer Holzland.


Schauen Sie doch mal rein…und halten Sie Rast…


Die „Öffnungszeiten“ zu den Gottesdiensten erfahren Sie in der INFO-BOX oder im WOCHENPLAN des Gemeindezentrums auf der nächsten Seite.


Willkommen!


Ludwig Krafczyk

(*1943)

Autor


Stand der Ausarbeitung:

19.03.2019,

verfeinert:

04.04.2019, 15.04.2019, 11.06.2019

Einen besonderen Dank an meinen Bruder Thomas als studierter Journalist, agil im beruflichen Ruhestand und erfahren in der Typographie, für seine wertvollen Hinweise zur Textgestaltung. Danke!


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Verwendete Informativ-Quellen des Textes und der Seite:


- Seiten auf Wikipedia zu den Themen Bistum Naumburg und Zeitz und deren Bischöfe


- http://www.manfred-hiebl.de/mittelalter-genealogie/mittelalter/bistuemer/naumburg/naumburg_bistum.html

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1055


- Abläufe der Reformation auf Wikipedia


Geschichte des Thüringer Holzlandes:

- Portal Wikipedia sowie www.hermsdorf-regional.de


- Henning Voigt, Die Anfänge des Christentums im Gebiet zwischen Saale und Elster


- Uwe Träger, Das Kloster zu Lausnitz, Holzland-Bücherei Band 1


Basis der Karte zu den Klöstern in der Region ist ein Detail mit digitaler Bearbeitung aus der Kartenbeilage im „Jahrbuch des Herrn“, Ausgabe 1958, St.-Benno-Verlag Leipzig


Text, Fotos und grafische Elemente:


© Ludwig Krafczyk 2019

Nachdruck, auch auszugsweise, sowie die Verwendung in elektronischen Medien ist nicht gestattet.


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Zeugnis christlicher Baukunst im Mittelalter und nun Weltkulturerbe: der Naumbuger Dom, Bischofskirche auch für die hiesige Region bis zur Reformation

EIN RAST-PLATZ DES GLAUBENS IN HERMSDORF/THÜRINGEN

DAS GEMEINDEZENTRUM „ST. JOSEF“

Gotteshäuser katholischer Christen in der Nachbarschaft im Saale-Holzland-Kreis

Himmelwärts filigran in Stein:

die Westtürme des Domes, vom Kreuzgang aus gesehen, sowie Blick auf das Langhaus

Foto: LK, 2012

PORTAL ST. JOSEF

Kahla

St. Niklaus

erbaut

1485

Stadtroda

St.Jakobus

erbaut

1730

Eisenberg

Maria

Verkündigung

erbaut 1667

Camburg

St. Marien

erbaut

1956

Wieder katholisch 1986

Katholisch seit  1967

Katholisch seit 1949

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Aktualisiert am 14.08.2019

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N

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R

E

E

ZENTRAL IM THÜRINGER HOLZLAND

Erbaut 1978


Grundhafte Sanierung und Umbau

2010/2011


Kirchweihe

30.10.2011

als erste katholische  Weihe nach der Reformation in Hermsdorf

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